Benni hat mir gesagt, ich soll einen Blog machen, damit ihr dort unten auch was mitbekommt von meinem kleinen Abenteuer, also habe ich diese Seite erstellt. Ich bin mal gespannt, was ich hier so alles erzählen werde. Nun also der erste Eintrag. Der Flug, die Ankunft, die ersten beiden Tage. Ich erzähle mal ein bisschen.
Für mich fing alles Montagmorgen an, um 6:30h. Mein erster Flug ging von Baden-Baden nach Berlin, der zweite dann von Berlin nach Helsinki. Wie ihr wisst, bin ich nicht unbedingt die super erfahrene Viel-Fliegerin. Insofern war für mich der erste Flug ein ziemlicher Höllenritt. Das Wetter zeigte sich nicht von der besten Seite, das Flugzeug war extrem klein und eng und es hatte Propeller, wie so eine richtige Indiana-Jones-Maschine. Gott, ich bin beinahe gestorben. Von Berlin nach Helsinki war es dann besser. Zum einen handelte es sich bei dieser Strecke um einen großen Flieger, bei dem man nicht sofort jeden Windstoß spürte, und auch das Wetter erwies sich als wesentlich angenehmer. Zum anderen saß neben mir ein älterer Russe aus Moskau, der laut eigenen Angaben schon aus 176 Flugzeugen gesprungen ist, weil er das früher irgendwie beruflich gemacht hat. Der war die Ruhe selbst, auch bei dem etwas holperigen Landeanflug, und hat die ganze Zeit beschwichtigend auf mich eingeredet.
Vom Flughafen ging es mit dem Zug ungefähr vierzig Minuten durch Vorstadtgebiete hinein ins Zentrum. Was ich bisher an finnischer Landschaft gesehen habe - das ist schon der Wahnsinn. Mit dem Flugzeug sind wir vor der Landung ein Stück ins Land hinein geflogen und von oben konnte man all die Wälder, Seen und dünn besiedelten Landstriche erkennen. Selbst in der Hauptstadtregion leben schon so vergleichsweise wenig Menschen - wie ist das dann erst weiter im Norden? Verrückt. Auf der Fahrt in die Stadt habe ich dann noch mehr von der Natur gesehen: Überall diese herrlichen Felsen mit den noch herrlicheren Gräsern. Birken, dünne Kiefern (damit der Schnee ihnen nicht die Äste abreißt, sind sie viel länger und dürrer als bei uns), Beeren, Gräser, Sträucher, der ganze Mist eben. Wunderschön sieht das aus und ganz ursprünglich. Nordisch eben.
Mein Hostel liegt mitten in der Stadt und befindet sich im zweiten Stock eines Altbaus - eigentlich alles ganz gut soweit. Allerdings teilt sich das gesamte Hostel zwei Duschen und diese Duschen sind auch extrem seltsam. Eigentlich ist es jeweils nur ein Raum mit einem Duschkopf und Abfluss, und es riecht auch noch so, wie Duschen eigentlich wirklich nicht riechen sollten. Aber man gewöhnt sich dran. Das Zimmer teile ich mir mit sieben anderen Menschen. Mit einem Mädchen habe ich schon gesprochen, sie kommt aus Spanien und macht auch Erasmus, der Rest meiner Mitbewohner*innen ist etwas gewöhnungsbedürftig. Aber es ist ja nicht für ewig.
Und dann habe ich mir die letzten beiden Tage vor allem die Stadt angesehen, zu Fuß, alleine, sehr enthusiastisch. Alle sprechen Finnisch, diese herrliche, verdrehte Sprache, die meiner Meinung nach eine der Schönsten überhaupt ist. Gefühlte hundert Mal habe ich schon diesen einen Typ Finnen gesehen, dick, derb, blond, aber friedlich, mit wasserblauen Augen und Eishockey-Fan. Die jungen Menschen sind alle ziemliche Hipster, mit lustigen Frisen, Bärten, Skateboards und alternativer Kleidung, sie hängen in Vintagecafés rum oder in Parks und alle rauchen, rauchen, rauchen. Mein erster käuflicher Erwerb in Finnland war ein Lakritz-Eis, eine Kugel, größer als meine Faust (und ich habe eine ziemlich stattliche Faust). Es schmeckt etwas gewöhnungsbedürftig, irgendwie ein bisschen nach Lakritz, aber nach einer Weile mehr wie stinknormales Vanilleeis. In Finnland ist es auf jeden Fall total beliebt.
Auf meinem Weg durch die Stadt bin ich dann auch bei einem kleinen Konzert vorbeigekommen: Ein langhaariger, blonder Finne in Schlaghosen, der voller Leidenschaft irgendeinen finnischen Rock-Schlager ins Mikro brüllte. Erstaunlich, dass es hier wirklich so ist, wie es in den Büchern stand, die ich gelesen habe.
Helsinki ist wirklich wunderschön. Überall Jugenstil, helle, bunte Gebäude und hinter jeder Ecke schimmert dunkelblau die Ostsee hervor. Vintage-Läden, kleine, schicke Cafés, Flohmärkte, teure Klamottengeschäfte und urige Kioske, dann der Hafen mit seinen riesigen Fähren und Kreuzfahrtschiffen. Mit all den modernen, kostspieligen Häusern und den großen Baustellen erinnert er ein wenig an die Hafen-City in Hamburg. Die Stadt bietet unheimlich viele Rückzugsorte, Parks, einsame Holzstege, die ins Wasser führen, Felsen, ungestörte Ecken. Nur ein paar Meter und man fühlt sich plötzlich wie auf dem Land, mit den großen, grünen Flächen, dem Wasser, kleinen Fischerbooten und roten Holzhütten. Wunderbar.
Gestern war ich außerdem das erste Mal in dem Viertel, in das ich in einer Woche ziehen werde. Habe auf dem Friedhof gelesen - dem größten Friedhof in Finnland, direkt am Wasser! Und mein Wohnheim sieht von außen auch echt klasse aus.
Die Stadt, das Land und die Menschen sind also wirklich herrlich und all das zu sehen, zu hören, zu schmecken, das ist, als würde ich ein Zauberland betreten, von dem ich schon lange gelesen habe. Ich laufe die ganze Zeit mit riesigen Augen herum, wie ein kleines Kind, das das erste Mal einen Weihnachtsbaum sieht. Aber es ist auch schwierig, so ganz ohne Menschen hierherzukommen. Zuerst war es im Hostel nicht leicht, Leute kennenzulernen, und hier kann man sich auch nicht wirklich zurückziehen. Ihr fehlt mir, Leute, wirklich.
Aber gestern Abend kam ich dann in der Wohnheimsküche doch mit ein paar Menschen ins Gespräch und schließlich bin ich mit Leuten aus Italien, Spanien, Frankreich, Belgien und Brasilien etwas trinken gegangen, wobei wir dann auch ein paar Finnen kennengelernt haben. Ich finde also doch langsam Anschluss. Und dieses ganze Internationale ist echt spitze.
Das also sind so meine ersten Eindrücke, zu denen ich noch ein paar Bilder hinzufügen werde, damit ihr euch auch etwas darunter vorstellen könnt.
Hyvää päivää und macht's gut!
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| Der Indiana-Jones-Flieger |
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| Mein erstes Lakritz-Eis! |
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| Finnische Kunst ist für manche Gemüter auch erstmal gewöhnungsbedürftig ... |
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| Der Friedhof am Meer |
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| Unsere Hostel-Küche - gemütlich! |






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